Predigten

Hinter den Links dieser Seite finden Sie die Predigten von Pastor Johannes Schröder . Sie sind nach Bibelstellen geordnet, teilweise auch über thematische Links zu erreichen. Diese Strukturierung ist noch im Aufbau.

Auf dieser Seite steht eine Predigt oder ein Gedanke, der sich auf die Zeit im Kirchenjahr oder auf ein bevorstehendes Fest oder Ereignis bezieht.

Johannes 12; 20-26

20 Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufgekommen waren, daß sie anbeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: HERR, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten's weiter Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verklärt werde. 24 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. 25 Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.  26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Johannes war zur Zeit Jesu so wie Lukas, Simon und Maria ein sehr häufiger Name. Der Täufer Johannes war nicht auch der Jünger Jesu, er wurde etwa zur Zeit des Beginns von Jesu Wirken von Herodes gefangengenommen und nach einem Jahr getötet. Der Evangelist und der Autor der Offenbarung waren wieder eine andere Person oder noch einmal zwei verschiedene Personen. Der Kirchenälteste Johannes, der etwa 100 Jahre nach Christus in Kleinasien (die heutige Westküste der Türkei mit den davor liegenden griechischen Inseln Rhodos, Lesbos, Pathmos) die dortigen Gemeinden leitete, schrieb sein Evangelium für die Menschen in diesem Gebiet und eventuell auch die Offenbarung und die Briefe des Johannes.

Zu dieser Zeit war das römische Reich im Zerfall und in Kleinasien herrschten Zustände wie heute in Afghanistan. Das Leben war nicht sicher, es gab keinen funktionierenden Staat und jeder konnte jederzeit ausgeraubt, aus seinem Haus vertrieben oder getötet werden. Für die Menschen war es der Untergang ihrer Welt.

Die echten Worte und Taten Jesu waren für diese Menschen fremd. Als Jesus lebte, war Israel zwar auch schon im Herrschaftsbereich des römischen Reiches und die Menschen mussten über die Zöllner hohe Steuern zahlen. Aber es herrschte im Alltag Rechtssicherheit und Frieden. Und die jüdischen Familien waren überwiegend intakt, Frauen, Kinder und arme Menschen hatten in Israel nicht alle, aber doch die wichtigsten Rechte, mehr als in irgend einem anderen Teil der Welt. In diesen jüdischen Alltag mischte sich das römische Reich nicht ein, solange niemand die römische Herrschaft gefährdete.

Jesus wurde vom römischen Gouverneur Pilatus verhaftet, angeklagt und am gleichen Tag gekreuzigt, weil er aus römischer Sicht der Anführer einer Bewegung vieler Menschen geworden war, die zu einer Unabhängigkeitsbewegung werden konnte, oder sich den Zeloten anschließen konnte, die schon eine jüdische Befreiungsbewegung waren. Judas war Zelot, und wenn die Geschichte vom Schwert stimmt, das Petrus bei der Verhaftung bei sich trug, war Petrus auch einer.

Jesus war wohl kein Zelot, er unterstützte das römische Reich nicht, er strebte aber auch keinen bewaffneten Aufstand an. Und er wollte nicht König der Juden werden, er wollte keine Art von Führer sein – jeder Mensch sollte sich nach seinem Willen selbst führen. Und die Staats-, Religions- und Unternehmensleiter sollten nur gute Verwalter und Diener der Menschen sein, denen sie vorstanden. Dieses Gebot Jesu beginnen wir Menschen (mit kleinen Ausnahmen schon früher) erst etwa seit 100 Jahren in unserer Politik, unserer Kirche und unserer Wirtschaft zu realisieren.

Die Worte von dem Himmelreich auf Erden, von den Ordnungen Gottes im Alltag, die Seligpreisungen Jesu für die Armen, die Friedfertigen und die Gerechten, das Gebot der Feindesliebe konnten die Gemeinden des Evangelisten Johannes nicht glauben. 

Wenn sie gerade vertrieben worden waren und ihre Angehörigen ohne Grund getötet worden waren, klang ihnen Jesu Gebot: „wenn einer Deinen Rock will, gebe ihm auch Deinen Mantel“ oder „wenn Dich einer nötigt, eine Meile zu gehen, gehe mit ihm zwei“ oder „wenn Dich einer auch die rechte Wange schlägt, halte ihm auch Deine linke Wange hin“ wie Hohn.

Johannes spricht daher an den meisten Stellen nur noch von der Bruderliebe und der Liebe unter Glaubensgenossen und Freunden. Die Bergpredigt von Matthäus und die Feldpredigt von Lukas, beides mit den echtesten Worten Jesu, hat Johannes wohl gekannt, da diese beiden ihre Evangelien etwa 10 bis 20 Jahre früher geschrieben hatten, aber er hat sie seinen Gemeinden nicht mehr zugemutet.

Statt dessen versucht er seinen Gemeinden Hoffnung zu schenken, indem er ihnen Jesu Tod als Opfer nahebringt, mit dem Jesus den Gläubigen einen Himmel im Jenseits nach dem Tod öffnet. Der Tod ist das Tor in ein neues Leben in Gemeinschaft mit Gott, der Tod ist eine Verklärung des Menschen in eine zweite Existenz. Die Welt auf der Erde ist nicht mehr zu retten, alles, was dazugehört, soll der Gläubige hassen.

Der Gläubige soll nicht bei der Gewalt, der Ungerechtigkeit und der Gier in der Welt mitmachen, hier bleiben die Gebote Gottes gültig. Wenn er dies tut, geht er mit der bisherigen Welt zugrunde. Aber er soll und kann sich auch nicht mehr in dieser Welt und für diese Welt einsetzen, sondern nur noch für die Gemeinschaft der Gläubigen und für Gott.

Aus der Lage, in der Johannes und seine Gemeinden lebten, ist dies verständlich. In der Sowjetunion unter Stalin und in Deutschland unter Hitler war das klare Bekenntnis zur Bergpredigt Jesu auch tödlich, ohne etwas an den Diktaturen zu ändern. Einige wenige Menschen haben trotzdem bekannt, weil ihnen diese Erde und die auf dieser Erde lebenden und unter den Diktaturen leidenden Menschen wichtig waren. Nicht jeder war dazu in der Lage.

Sünde war aber auch hier, bei der Unrechtherrschaft mitzuwirken oder sich an ihr zu bereichern.

Heute leben wir in Europa in einer Welt, die noch gerechter ist, als es Israel zur Zeit Jesu war. Für uns gilt daher die Bergpredigt und gilt das Gebot der Feindesliebe. Wir sollen diese Welt und ihre Aufgaben und die in ihr lebenden Menschen nicht hassen, sondern an ihrer weiteren Verbesserung und an der Befreiung der heute noch Unterdrückten mitwirken. Wir können Gott, und den Menschen, die seinen Geboten tätig gefolgt sind und die ihnen heute folgen, für den Frieden und Wohlstand danken, den wir haben.

Amen