| Familienhilfe Weißrußland e. V.
15 Jahre seit Tschernobyl Obgleich seit der Katastrophe von Tschernobyl schon 15 Jahre vergangen sind, erkranken und sterben immer mehr Men-schen, insbesondere Kinder, an tückischen, durch Strahlen bedingte Krankheiten. Wir haben auf der letzten Seite weißrussi-sche Familien aufgeführt, die wir mit Hilfe deutscher Patenfamilien unterstützen möchten. Auch einmalige Spenden tragen dazu bei, diesen Familien zu helfen. Angaben zur Organisation Der Verein Familienhilfe Weißrußland e.V. wurde am 24.03.1994 gegründet und in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hamburg eingetragen. Der Verein ist vom Finanzamt als "mildtätigen Zwecken dienend" anerkannt. Er ist berechtigt, für Spenden und Mitgliedsbeiträge Spendenbescheinigungen für steuerliche Zwecke selbst auszustellen. Dem Verein wurde vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen bereits im Frühjahr 1998 das Deutsche Spendensiegel zuerkannt, das bisher nur 156 Organisationen führen dürfen. Er gilt daher als förderungswürdig. Geförderter Personenkreis Der Verein unterstützt sehr arme Rentner und Familien mit erkrankten Kindern in Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands, und zwar überwiegend solche, die aus den strahlenbelasteten Gebieten umgesiedelt wurden. Die hilfsbedürftigen Personen werden von verschiedenen ortsansässigen Organisationen ausgesucht. Mitglieder und Förderer können auf Wunsch eine persönliche Patenschaft für die Hilfsbedürftigen übernehmen, sie dadurch auch ideell unterstützen und sie durch Brief-wechsel oder auch durch eine von uns organisierte Besuchsreise nach Minsk persönlich kennen lernen. Gegenbesuche in Deutschland sind zur Zeit leider nicht möglich. Art der Förderung Die Vereinsgründer überweisen bereits seit März 1992 regelmäßig jeweils einmal monatlich die finanziellen Zuwendungen zusammen mit einer Auszahlungsliste an die staatliche weißrussische Außenhandelsbank. Diese lässt das Geld durch eine vom Verein benannte und bevollmächtigte Buchhalterin gegen Quittung an die bezugsberechtigten Personen in DM / ab 2002 in Euro(!) auszahlen. Kopien der bearbeiteten Listen werden uns regelmäßig zu Kontrollzwecken übermittelt. Daneben haben die geförderten Personen die Verpflichtung, einem Vorstandsmitglied oder ihrer "Patenfamilie" einmal im Quartal brieflich den Empfang des Geldes zu bestätigen. Der Verein vermittelt auch Sachspenden für Kindergärten, Waisenhäuser und Krankenhäuser. Die ordnungsgemäße Verwendung wird von der Sozialbehörde in Minsk überprüft und durch Unterschrift und Siegel des Dienststellenleiters bestätigt. Mindestens zwei Mitglieder des Vereinsvorstands fahren jährlich auf eigene Kosten nach Minsk, besuchen die geförderten Institutionen und auch stichproben-weise die geförderten Personen und überzeugen sich von deren Bedürftigkeit. Damit der Verein überhaupt in Minsk wirksam werden kann, stellt ihm ein staatlich kontrollierter Betrieb dort ein Büro und als Teilzeit-kraft eine Dolmetscherin, die seit 1994 als unsere Geschäftsführerin wirkt, kostenlos zur Verfügung. Dieser Betrieb trägt auch die dortigen Kosten für Telefon, Fax, Porto und die erforderlichen Transportmittel. Personalkosten fallen nur in Minsk an (knapp 1000 DM im Jahr). Warum keine Pakete? Waren, die in Deutschland gekauft werden, müssen zu deutschen Preisen bezahlt werden. Dazu kommen noch die Kosten für die Verpackung und die Transportkosten. In Weißrußland kann man alle Waren kaufen, und dies zumeist wesentlich billiger. Die geförderten Personen können nach ihren wirklichen Bedürfnissen auch heimische Produkte einkaufen zu einem selbstgewählten Zeitpunkt, da ja die DM ihren Wert behält im Gegensatz zum Rubel (Jahres-Inflationsrate etwa 250%). Finanzierung und Kontrolle Der Verein Familienhilfe Weißrußland ist eine relativ kleine Organisation, die sich überwiegend aus Geldspenden finanziert. Der Nachweis über den finanziellen Status des Vereins erfolgt in Form einer Einnahmen- und Ausgabenrechnung in Verbindung mir einer Vermögensrechnung. Die Rechnungslegung wird intern erstellt und durch einen vereidigten Wirtschaftsprüfer geprüft. Einschätzung durch das DZI "Der Verein leistet satzungsgemäße Arbeit. Werbung und Information sind wahr, eindeutig und sachlich. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach Maßstab des DZI niedrig (unter 3 %). Mittelbeschaffung und -verwendung sowie die Vermögenslage werden nachvollziehbar dokumentiert. Die Kontrolle des Vereins und seiner Organe ist gegeben. Das Auskunftsverhalten des Vereins gegenüber dem DZI ist offen. Der Verein Familienhilfe Weißrußland ist förderungswürdig. Ihm wurde das Spendensiegel weiterhin zuerkannt." Die Bilanz unserer Hilfsaktion (ohne die Sachspenden): Mit der Überweisung November 2001 insgesamt über 1,25 Millionen Mark:
Einzelschicksale Jermolajewa, Sinaida, geb. 1955, hat 1970 Tuberkulose überstanden, wird noch regelmäßig untersucht und behandelt, erwerbsunfähig. Ehemann ar-beitet in Baufirma, spendet 2x monatlich Blut, um Geld hinzuzuverdienen. Sohn Alex-ander 15 Jahre alt. Wohnen in 2-Zimmer-Wohnung. Radjuk, Anatolij, geb. 1955, Elektriker. Ehefrau Soja, geb. 1955, ist ans Bett gefesselt, Pflegestufe 3. Kinder: Natalja, geb. 1984, sehbehindert, In-valide: Alexander, geb. 1986; Andrej, geb. 1990; Anastasia, geb. 1993. Familieneinkommen monatlich umgerechnet 146 DM. Gontscharenko, Igor, arbeitsunfähiger Invalide. Ehefrau Anna, geb. 1962, Krankenschwester. Tochter Marina, geb. 1993, durch Tschernobyl bedingter angeborener Herzfehler wurde operiert. Keine Wohnung. Sie wohnen im Wohnheim. Familieneinkommen monatlich umgerechnet 141 DM. Agibalow, Wadim, geb. 1980, tschernobylbedingter Schilddrüsenkrebs, 1994 operiert, braucht teure Medikamente, besucht Fachschule. Mutter La-rissa, geb. 1947, früher Englischlehrerin, jetzt Rentnerin. Vater sehr krank, Pflegestufe 3. Familieneinkommen umgerechnet monatlich 79 DM. Pawlowskij, Nikolaj, 70 Jahre, Invalide, war nach Tschernobylkatastrophe als einer der ersten dort für Messungen eingesetzt, schwere Strahlenschä-den, oft im Krankenhaus, 4mal jährlich Blutreinigung, seine Frau schwer krank, 4 Operationen, 2-Zimmerwohnung, brauchen viele Medikamente. Wojnow, Witalij, geb. 24.12.76, Schwerinvalide, Verletzung der Wirbelsäule, Frührentner, wohnt mit seinen Eltern zusammen mit Onkel, Tante und Nichte in 3-Zimmerwohnung (6 Personen). Belosorowa, Raissa, geb. 1976, schwere Form der Kinderlähmung, lebt mit alleinerziehender Mutter und braucht ständig Pflege, Mutter kann also nicht arbeiten, Unterstützung 40 DM monatlich, das ist alles, Mutter verkauft selbstgemachte Strümpfe und Hausschuhe. Uljanowa, Inna, geb. 1956, Sohn Dima (1990) hat Kinderlähmung, schläft nur zwei bis drei Stunden, Mutter kann deshalb nicht arbeiten, Vater 1997 an Krebs gestorben, Familie lebt nur von der minimalen Invalidenrente. Ostruchowa, Jelena, geb. 1965, arbeitet nicht, weil Sohn Kirill (1987) strahlenbedingtes angeborenenes Immundefizit hat, 2 weitere Kinder (2 Jahre, 2 Monate), Vater ist Kraftfahrer, sie wohnen in 1-Zimmer-Wohnung. Konopelko, Galina, geb. 1959, Invalide 2. Gruppe, Bronchialasthma, arbei-tet nicht, Ehemann Kraftfahrer, hat Kehlkopfkrebs, operiert, Chemotherapie, 3 Kinder, noch Schüler, 2-Zimmer-Wohnung 28 qm. Lagun, Tatjana, geb. 1960, Putzfrau in Wohnungsverwaltung, Ehemann kann nicht arbeiten, Vollinvalide (Stütz- und Bewegungsapparat), Tochter Marija (1992) hat strahlenbedingte schwere Leukämie. Verein Familienhilfe Weißrußland e.V. Ausgabe November 2001 Unsere Hilfe kommt an! (Eine Bestätigung der deutschen Botschaft in Minsk) |